Wie schön es doch manchmal ist …

… ein paar Tage mit sich selbst zu verbringen.
Ohne Input von außen. Ohne der Anregungen die in mir die Mitteilungen der Anderen erzeugen.

Alleine mir meinen Gedanken.

Bin gerade dabei altes Papierkram zu sortieren und bin dabei auf die Schulunterlagen gestoßen. Dabei war die Zeichnung vom 4-Ohren Modell. Ach Gott, das ist tatsächlich das letzte Jahr gewesen, dass ich noch die Schulbank drückte!

Das 4-Ohren Modell… Lustig, dass ich es ausgerechnet heute finde. Der Herr Schulz von Thun hat das ganz gut erfasst wie die Kommunikation so abläuft.

Einfach erklärt – wir kommunizieren verschlüsselt aber das entschlüsseln ist mit dem verschlüsseln nicht immer kompatibel. Und die 4 steht in diesem Modell für die vier Kanäle auf den wir uns während der Kommunikation bewegen. Als Empfänger in diesem Fall (als Sender aber sehr wohl auch).

  • Sachkanal – worüber reden wir?
  • Selbstoffenbarungskanal – Was gibt der Sprechende von sich zu erkennen?
  • Beziehungskanal – Was hält der Sprechende von mir? Wie steht er zu mir?
  • Appellkanal – Was will der Sprechende von mir?

Und da der Schlüssel zu der Empfangenen Nachricht oft nicht vorliegt (es sei denn man kennt sich in und auswendig seit 1.000 Jahren) … Tja … Missverständnisse sind vorprogrammiert.

Beliebtes Beispiel (war zu der Zeichnung angegeben):

Der Mann fragt beim Essen seine Frau: „Was ist das Grüne in der Soße?“
(eigentlich eine ganz unschuldige Frage – hehe)

Gesendete Nachricht:

  • Sachebene – da ist was Grünes
  • Selbstoffenbarung – ich weiß nicht was das ist
  • Beziehung – du wirst es wissen
  • Appell – sag mir was das ist

Denksde …

Was die Frau empfängt ist:

  • Sachebene – da ist was Grünes
  • Selbstoffenbarung – mir schmeckt das nicht
  • Beziehung – du bist eine grausame Köchin
  • Appell – lass das nächste mal das Grüne weg!

Frau antwortet also: „Mein Gott! Wenn es dir nicht schmeckt kannst du ja woanders essen gehen!“

Ergebnis – der Mann schläft auf dem Sofa, die Frau kocht die nächsten 7 Tage nichts mehr.

Tja. Kommunikation ist nicht einfach. Dazu will nicht jeder wirklich kommunizieren. Gespräche gestalten sich schwierig, viele reden zwischen Tür und Angel, manche schreiben nur noch Nachrichten…

Zuhören und Sprechen will aber gelernt sein.

So vieles hat Einfluss darauf wie wir gerade etwas empfangen / annehmen.

Die aktuelle Stimmung, Umstände, Emotionen im Hintergrund, die bisher gelernten „Programme“ die im Hintergrund in den Köpfen ablaufen – das alles bewirkt welchen Schlüssels wir uns bedienen um die empfangene Nachricht zu entschlüsseln.

Paradoxeweise klappt das Zuhören oft ohne großartigen Fehlinterpretationen und daraus resultierenden Emotionsausbrüchen bei den Menschen besser, denen wir nicht zu nahe stehen.

Bei den uns ganz nahen … Da brodelt die Gefahr eher die wirkliche Inhalte misszuinterpretieren, wobei es natürlich viel mit der Art der Beziehung zu tun hat.

Da kommt nämlich, zu der Verschlüsselung, noch die Gedankenwelt und das Paket der bisherigen Erfahrungen dazu. Und oft scheitert es weil der Partner, auf der Basis der bisherigen Erfahrungen, mit den bisher gespeicherten Programmen und Abläufen, statt neu zu lernen um mit dem neuen Menschen zu kommunizieren, einfach das alte Schema abspult, mit den (bisher ja funktionierenden) Kommunikaten.

Er versucht sich mitzuteilen (verbal oder nonverbal ist in dem Moment egal) und wundert sich, wird vielleicht sogar wütend oder fühlt sich verletzt, weil der neue Partner ihn entweder falsch oder gar nicht versteht. Im Gegenzug gibt es natürlich eine Reaktion die ebenfalls in dieser Konstellation auf Unverständnis stößt.

Und sehe da – wir haben einen wunderbar klassischen Konflikt.

Aber – es lässt sich lösen. Es ist ja meistens beiden wichtig zu lernen miteinander zu kommunizieren.

Einfache Fragen die, ernst genommen und ehrlich beantwortet unheimlich weiter helfen:

Wie meinst du das?

Kann ich dir helfen?

Warum sagst du das gerade?

Nur …

Man sagt ja auch „Gedanken werden Dinge“. Und auch das Unausgesprochene wird früher oder später zu einem Ballast das sehr schwer zu tragen wird.

Wenn man auf der Basis der eigenen Erfahrungen und Gedanken, Aktionen durchführt, die bisher vielleicht funktioniert haben, kann man bei einem neuen Partner nicht nur auf Unverständnis stoßen, sondern man kann die Kommunikationsbasis damit zerstören.

Unausgesprochenes belastet genauso.

Die verschlüsselten Inhalte eines Kommunikats werden missinterpretiert, die Intention hinterfragt, der Wahrheitsgehalt angezweifelt. Und wenn der Sender noch zusätzlich, aufgrund des eigenen Gedankenguts, die Inhalte filtert, ändert oder verschweigt …

Diese Kommunikation schlägt fehl oder wird gar nicht mehr möglich.

Wie beim Versuch etwas zu programmieren. Das was vertraut erscheint erzeugt völlig unerwartete Ergebnisse auf einem fremden Betriebssystem.

Wenn man also auf den alten Gedanken aufbaut, werden diese plötzlich zu ganz falschen Dingen.

Ich persönlich empfehle sehr offene, auf beidseitigen Empfang eingestellte, intensive Gespräche.

Missverständnisse dürfen vorkommen. Aber was nicht vorkommen sollte ist, dass man davon ausgeht, dass die eigenen Empfindungen dem Gegenüber völlig klar sein müssten. Oder der Versuch der eigenen alten Muster dem Anderen aufzuzwingen und dann den Anderen dafür zu urteilen, dass er nicht so reagiert wie man es bisher woanders gewohnt war.

Ja. Man formt die eigene Welt mit den eigenen Gedanken. Man erzeugt Situationen indem man bestimmte Kommunikate sendet. Aber nur wenn man nicht nur sendet sondern auch empfängt und sich intensiv und ehrlich mit dem Gegenüber im Dialog beschäftigt, hat man eine Chance eine neue, zu der neuen Situation passende Welt aufzubauen.

Den anderen ernst zu nehmen und sich selbst gegenüber aufrichtig zu sein hilft dabei die eigenen Gedanken zu verifizieren.

Erst danach entstehen neue, passende Gedanken die dann gewünschte Dinge erzeugen.

Aber wenn eine Seite die Veränderung scheut oder gar nicht erst möchte… Dann entsteht eine fiktive Welt, Situationen die früher oder später nicht funktionieren. Dann kann die Kommunikation nicht funktionieren.

Der Sender und der Empfänger sind inkompatibel. Und das ist etwas, was sich auf lange Sicht auflösen sollte.

Das ist etwas, worauf keiner aufbauen kann.

Aber es ist etwas, was im Normalfall schnell festzustellen ist. Und das ist gut so.

Weil genau dafür sind die Gefühle und Gedanken da. Um den Weg zu weisen.
Um bei der Interaktion mit der Welt zu helfen.
Um einem zu helfen mit sich selbst ehrlich zu kommunizieren.

Gefühle die echt sind werden zu Gedanken die ehrlich sind. Und diese Gedanken, offen mitgeteilt, unmissverständlich wiedergegeben werden zu ganz tollen Dingen die glücklich machen.

Diese Gedanken erzeugen eine schöne Welt.

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